Unser neuer Kirchenführer ist in Bearbeitung, daher lesen Sie hier noch eine alte Version
aus dem Jahre 2001

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer St. Anna-Kirche, wir laden Sie ein, mit uns durch diese Kirche zu gehen.


Ungefähr 500 Jahre steht nun unsere St. Anna-Kirche. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie von außen und von innen immer wieder verändert. Aber sie ist ein Ort geblieben, wo Menschen die Nähe Gottes suchen und wo auch heute gesungen und gebetet, gelobt und geklagt, gehört und gefeiert wird.

Kurze Geschichte der St. Anna-Kirche

Im Jahr 1500 wurde die St. Anna-Kirche auf freiem Felde zwischen dem Schloss Büg und dem "Forther Bauernhaus" vom Büger Schlossherrn Ruprecht Gottsmann als "Eigenkirche" gebaut. Seit etwa 1300 stand an Stelle der heutigen Kirche eine kleine Schlosskapelle. Erst 1760 wurde die St. Anna-Kirche eigene Pfarrei. Die Herren von Gottsmann und danach deren Rechts- und Besitznachfolger, die Herren von Bünau, waren für die Unterhaltung der Kirche zuständig. Deswegen sind für die ältere Zeit keine Nachrichten über Renovierungen und Anschaffungen vorhanden.

Der künstlerisch sehr wertvolle und sehr schöne Altar (es sind zwei übereinander gestellte Altäre) wurde von Nürnberger Meistern um 1520 geschaffen. Aus Archivalien im Staatsarchiv Nürnberg geht hervor, dass die Herren von Gottsmann in der Kirche zwischen 1540 und 1575 eine Braustätte betrieben.

Im Jahr 1575 war eine Renovierung der Kirche notwendig. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Kirche wieder ausschließlich für Gottesdienste genutzt. Im Jahr 1630 wurde die Kapelle zur Pfarrkirche erhoben, erhielt als Turm einen Dachreiter und wurde erneut renoviert. Aus Einträgen in Kirchröttenbacher Pfarrbüchern geht hervor, dass die Kirche im 30-jährigen Krieg beschädigt wurde und dass im Jahr 1731 zwei Seitenaltäre beseitigt wurden. Einer davon könnte das Oberteil des jetzigen Altars sein. Die Pfarrregistratur der St. Anna-Kirche beginnt erst mit dem Jahr 1760.

1827 musste der mit Glocken und mit einer Uhr (sie schlug nur die Stunden) ausgestattete, schadhaft gewordene Dachreiter abgebaut werden. Erst 1834 wurde ein neuer Turm auf den Giebel aufgebaut und zugleich die steinerne Treppe zur Empore, das Kirchhoftor und die Sakristei neu errichtet. 1866 wurde die Kirche innen renoviert und 1883 das Kirchtürmchen erneuert und auf der einen Seite mit Schiefer und auf der anderen Seite mit Blech versehen.

1905 erfolgte eine gründliche Renovierung. Die Empore bekam einen einheitlichen Charakter und es wurde die Kanzel erneuert. Der Fußboden im Schiff wurde ausgebessert, neue Eingangstüren eingebaut, die Wände der Kirche neu verputzt und getüncht. Die Decke erhielt einige Rosetten in Verbindung mit Schablonenmalerei im oberen Teil der Wände. Auch das Äußere der Kirche wurde renoviert, wobei die nicht aus Bruchsteinen bestehenden Sandsteinecken des Kirchengebäudes vom Kalkputz freigelegt wurden.
Kirche
Am 1. Oktober 1905 (deshalb ist am 1. Sonntag im Oktober unser Kirchweihfest) wurde der erste Gottesdienst in der restaurierten Kirche gehalten. Anfang 1906 wurde der Altar nach München zur Reparatur gebracht und am Palmsonntag 1906 wieder aufgestellt.

1907 wurde das Glasfenster, der sinkende Petrus, von einer Frau Müller gestiftet. Das zweite Glasfenster, die Taufe Jesu, entstand in der gleichen Epoche; konnte ich darüber nicht finden. 1914 wurde eine neue Glocke angeschafft und die elektrische Beleuchtung eingerichtet.

1954 wurde das Dach und 1956 der Außenputz der Kirche erneuert.

1965 wurde eine umfassende Renovierung der Kirche vorgenommen. Es wurde der neue Turm gebaut, die Seitenempore gekürzt, die rückwärtige Empore verbreitert, die Kabinette beiderseits des Eingangs entfernt, die Bänke erneuert und der Altar nach hinten verschoben. Zugleich wurde die alte sehr schöne Kanzel, durch eine, nach hinten verschobene neue, nicht zum Stil der Kirche passende ersetzt und der Taufstein ihr gegenüber aufgestellt. Über dem Taufstein wurde ein Fenster neu eingebaut, eine Holzdecke, die die Helligkeit der Kirche stark beeinträchtigt, eingezogen und elektrische Heizung eingerichtet. Leider wurden auch das überlebensgrosse Lutherbild von Professor Brandt und ein schlichter Kronleuchter entfernt. Auch fehlt seitdem die Abdeckung des Taufsteines.

1978/79 und 1997 wurde die Kirche erneut renoviert, allerdings mit dem Ziel, die Kirche in ihrer Substanz zu erhalten und nicht durch weitere Änderungen den ruhigen, ehrwürdigen Charakter dieses Gotteshauses zu verletzen.

Einige Besonderheiten der Kirche

Der Altar
Ein ganz besonderes wertvolles Schmuckstück ist unser, aus zwei Altären, gotischer Flügelaltar. Er stammt aus einer Nürnberger Werkstatt und dürfte in der Zeit zwischen 1504 und 1523 entstanden sein. Er zeigt im unteren Schrein in der Mitte die heilige St. Anna, der Überlieferung nach die Mutter Marias sowie Maria mit dem Jesuskind — sozusagen ein Generationenbild. In den beiden zuklappbaren Seitenflügeln stehen die Hl. Helena mit dem Kreuz und die Hl. Kunigunde mit der Kirche. Der Obere Altar zeigt Maria und den Jünger Johannes unter dem Kreuz Jesu; in den Seitenflügeln Petrus mit dem Schlüssel und Paulus mit dem Schwert. Im zugeklappten Zustand in der Passionszeit ist unten wieder die Hl. Anna und oben Jesu beim Gebet in Gethsemane zu sehen. So verbindet der Altar Geburt und Tod, Freude und Leid. In der Predella sind die Altarstifter Ruprecht und Kunigunde Gottsmann, geborene Stibar von Buttenheim mit ihren sieben Söhnen und acht Töchtern dargestellt.

Die Glocken
Im Jahr 1667 erhielt die St. Anna-Kirche ihre erste Glocke. Sie bekam jedoch einen Sprung und wurde im Jahr 1863 umgegossen. Die zweite, 208 Pfund schwere Glocke trägt die Inschrift: "Anno 1789 goss mich Andreas Philipp Sturm in Nürnberg" und darunter steht: "Günther von Bünau - Heinrich von Bünau - Hess Pfarrer". 1851 wurde die dritte Glocke in Nürnberg gekauft; sie wiegt 3 Zentner. 1914 wurde die vierte und 1963/1964 die fünfte und zugleich grösste Glocke angeschafft. Die Glocken tragen jeweils die Inschrift "Glaube", "Liebe", "Hoffnung", "Friede", und "Jesus meine Freude". Glocke

Die Orgel
Wann die erste Orgel in der St. Anna-Kirche eingebaut wurde, konnte nicht festgestellt werden. 1896 wurde von der Firma Bittner aus Nürnberg die erste, alte Orgel ersetzt. Die neue Orgel war sehr reparaturanfällig und wurde am 26. September 1926 wiederum ersetzt. 1964 wurde im Zuge der Kirchenrenovierung von der Firma Walcker (Ludwigsburg) eine neue Orgel installiert. Auch diese Orgel zeigt häufig Mängel und kann wegen ihres ungünstigen konstruktiven Aufbaus nur ungenügend instand gehalten werden. Zur Zeit wird über den Neubau einer Orgel beraten. (Seit 2005 besitzt die St.-Anna-Kirche eine neue Orgel).

Schmückende Elemente
Links vor dem Altar befindet sich ein besonders formschöner alter Taufstein. Nahezu unmittelbar darüber ist ein 1998 angeschaffter zwölfarmiger Bronzeleuchter. Der Leuchter und auch die 1994 erworbene Taufsteinschale wurden von Harro Frey, einem Künstler aus Pettensiedel, geschaffen. Gleich hinter dem Taufstein stehen zwei Holzmodeln. Diese stellen ein Ritterpaar von Bünau dar und sind die Negativformen zweier Grabplatten. Zwei davon in Abdruck gefertigte Grabplatten befinden sich in Sachsen, dem ehemaligen Stammsitz derer von Bünau. Gegenüber befindet sich eine alte Grabplatte. Darauf steht sinngemäß: Hier ruht in Gott der wohledle und feste Johann Löffl, 22 Jahre treuer Verwalter, hier geboren am 18. Februar 1673, gestorben am 2. August 1720 im Alter von 47 Jahren, 22 Wochen und einem Tag. Unter der Kanzel steht ein aus Sandstein gehauener Kindergrabstein. Dieser Grabstein stand schon vor 1875, als der Friedhof noch um die Kirche angeordnet war neben der Kirche. Er musste wegen starker Schäden in den Innenraum der Kirche umgesetzt werden.

Reinhard Lischewski
Oktober 2001
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